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Die Nilgans – neue Brutvogelart in Berlin

Nilgans fliegend 180px Im Spätsommer 2015 wurde mit der Nilgans die 184. Brutvogelart für Berlin nachgewiesen. (Infos zu allen Berliner Brutvogelarten erhalten Sie hier.)

Seit April 2015 wurden zwei Altvögel im Bereich des NSG Falkenberger Rieselfelder, im Norden des Bezirks Lichtenberg, beobachtet. Am 12. September wurden 5 Nilgänse, darunter 4 Jungvögel gesichtet, die die Vermutung einer Brut aufkommen ließen.

Da das NSG großflächig eingezäunt ist, konnte aus der Entfernung nicht sicher festgestellt werden, ob die jungen Gänse bereits flugfähig sind. Dieser Nachweis wurde am 22. September nachgeholt. Am Rand eines Kleingewässers konnten die flugunfähigen Jungvögel fotografiert werden. Die Reste des Dunengefieders zeigen, dass es sich um nicht flugfähige und damit im NSG erbrütete Nilgänse handelt.

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Der Name deutet darauf hin, dass die Art ihre Hauptverbreitung in Afrika hat, wo sie ein großes Areal auf dem Kontinent besiedelt. Seit dem 18. Jh. kamen Nilgänse als Ziergeflügel nach Europa. Seit dieser Zeit ist eine freilebende Population in England bekannt. Ab den 1970er-Jahren erfolgte die Ausbreitung nach Deutschland von einem Bestand aus den Niederlanden. Bisher waren Brutvorkommen aus allen Bundesländern, außer Berlin, bekannt. Jetzt hat die Nilgans als Brutvogel gans(z) Deutschland erobert mit über 8.000 Brutpaaren. Sie gehört damit zu den erfolgreichsten Neozoen.

Die schnelle Verbreitung der Nilgans ist neben ihrer Anpassungsfähigkeit auf ihr aggressives Verhalten gegenüber anderen Tieren zurückzuführen. Die Art ist in der Brutzeit sehr territorial und vertreibt andere Entenvögel aus ihrem Revier. Untersuchungen zeigten, dass von der Nilgans Konkurrenten bis 3 kg Gewicht erfolgreich vertrieben wurden. Auch Storchennester und Nistkästen für Turmfalken wurden erfolgreich okkupiert. Brütet doch die Nilgans nicht nur am Boden, in dem mit Dunen ausgepolsterten Nest, sondern auch in Baumhöhlen und auf größeren Nestern und Greifvogelhorsten in einer Höhe bis 20 m.

Text und Fotos: Jens Scharon